Erklärung zur Berechnung der Gebetszeiten

بسم الله الرحمن الرحيم

 

الحمد لله رب العالمين والصلاة والسلام على سيد المرسلين وعلى آله واصحابه اجمعين

UPDATED: 03-11-2022 (Jahreskalender-Update kommt demnächst, in scha Allah ta’ala)

 

KURZFASSUNG (Die ausführliche Erklärung wird weiter unten aufgeführt.)

 

Instruktionen zu den Berechnungen für die Pflichtgebete:

 

Fajr

Subh as-Saadiq wird mit 18 Grad berechnet. Während der anhaltenden Dämmerung wird die Methode Nisf al-Layl angewandt. Das Fasten sollte vorsichtshalber 5 Minuten vor Beginn der Fajr-Zeit begonnen werden und der Adhan sollte frühestens 10 Minuten nach Beginn der Zeit ausgerufen werden (zur Zeit der anhaltenden Dämmerung sollte man sicherheitshalber mindestens 15 Minuten warten).

 

Thuhr

Zur Istiwa-Zeit (wahre Mittagszeit) wurden ca. 5 Minuten hinzugefügt, um den Anfang der Zeit zu bestimmen.

 

Asr (Schaf’ie, Maliki & Hanbali bzw. Mithl al-Auwal)

Diese Asr-Zeit beginnt, wenn der Schatten eine einfache Länge plus die ursprüngliche Länge des Schattens zur Istiwa-Zeit erreicht.

Asr (Hanafi bzw. Mithl ath-Thani)

Diese Asr-Zeit beginnt, wenn der Schatten eine zweifache Länge plus die ursprüngliche Länge des Schattens zur Istiwa-Zeit erreicht.

Makruh-Zeit nach Asr

Zur Ermittlung des Beginns der Makruh-Zeit empfehlen die Gelehrten eine Berechnung mit 4-5° des Sonnenstands vor Sonnenuntergang. Daraus kann man einen Richtwert von +-50 Minuten vor Sonnenuntergang ableiten. Etwas davor sollte man spätestens mit dem Asr-Gebet begonnen haben, damit es nicht Makruh wird.

 

Maghrib (Iftaar)

Zum astronomischen Sonnenuntergang werden ca. 5 Minuten hinzugefügt, um den Beginn der Maghrib-Zeit zu bestimmen, wodurch die Refraktion berücksichtigt wird. Man sollte das Gebet nicht vorher beginnen und auch das Fasten nicht vorher brechen. Es ist Sunnah das Maghrib-Gebet immer zur ersten Zeit zu verrichten. Es etwas zu verspäten ist leicht Makruh und es soweit zu verspäten, dass viele Sterne sichtbar werden ist schwer Makruh. Um Meinungsverschiedenheiten der Gelehrten zu vermeiden, sollte man das Gebet vor dem entschwinden des Schafaq al-Ahmar verrichtet haben (wenn es nicht zur ersten Zeit möglich war).

 

Ischa

Gemäß der Fatwa der Gelehrten zur Vereinheitlichung der Gebetszeitenkalender in Deutschland wurde für Schafaq al-Ahmar (die rote Abenddämmerung) ein Winkel von 17° festgelegt. Die eigentliche Ischa-Zeit nach Imam Abu Haniefah Rahimahullah ist Schafaq al-Abyadh, welche in der Regel mit 18° berechnet wird (diese tritt unter normalen Umständen ca. 7 Minuten nach der angeführten Ischa-Zeit ein). Nach Möglichkeit sollte das Gebet nach dieser Zeit verrichtet werden. Da die Ischa-Zeit von Ende April bis Ende August größtenteils sehr spät auftritt, wird eine Haraj-Zeit (siehe unten) angeben. Während dieser Zeitspanne wird die Methode “1/3 der Nacht” angewandt.

 

Haraj

Aufgrund dessen, dass die Ischa-Zeit tritt im Sommer in hohen Breitengraden entweder sehr spät beginnt oder aber überhaupt nicht eintritt, stehen wir außergewöhnlichen Umständen gegenüber. Wenn es also jemandem möglich ist, zur richtigen Zeit zu beten (wie z. B. jemand, der Nachtschicht hat usw.), sollte er es auch tun, auch wenn er dadurch das Gebet mit der Jama’ah verpassen würde. Da dies allerdings eine Erschwernis für die Allgemeinheit bedeutet, wurde für das Ischa-Gebet die Methode 1/3 der Nacht als Haraj-Zeit festgelegt, welche verwendet werden kann, wenn man aus legitimen Gründen (wie z. B. Frühschicht, Schule, Krankheit usw.) nicht länger wach bleiben kann.

 

Instruktionen zu den Berechnungen für die freiwilligen Gebete

 

Ischraq

Das freiwillige Gebet nach dem Sonnenaufgang sollte verrichtet werden, wenn die Sonne die Länge eines Speeres über dem Horizont steht. Hierfür empfehlen die Gelehrten einen Winkel von 3°. Daraus ergibt sich das Jahr über eine wechselnde Zeitspanne, die zwischen ca. 25 – 35 Minuten liegt.

 

Salat ad-Dhuha

Die Zeit beginnt ab der Hälfte des Vormittags (die Hälfte zwischen Sonnenaufgang und Istiwa) und endet bis 10 Minuten vor Beginn der Thuhr-Zeit. Bis dahin sollte man das Gebet verrichtet haben.

 

 

Einleitung

 

Sobald jemand dem Islam beitritt oder jemand, der als Muslim geboren wurde, die Geschlechtsreife erreicht hat, wird die Verrichtung der fünf täglichen Gebete für ihn zur Pflicht. Damit sein Gebet gültig ist und von Allah Ta’ala angenommen wird, gibt es mehrere Voraussetzungen. Eine davon ist die Einhaltung der Gebetszeiten. Allah Ta’ala sagt im Quran:

 

إِنَّ ٱلصَّلَوةَ كَانَتْ عَلَى ٱلْمُؤْمِنِينَ كِتَـٰبًا مَّوْقُوتًا

“Das Gebet ist den Gläubigen zu bestimmten Zeiten vorgeschrieben.”
(Surah An-Nisaa; 103)

 

Damit ein Muslim also die Pflicht der fünf Gebete erfüllen kann, muss er diese zu den vorgeschriebenen Zeiten verrichten. Er sollte sich deshalb immer bewusst sein, wann die Zeit für das nächste Gebet eintritt. Nun richten wir uns heutzutage nach den Gebetszeiten-Kalendern in den Moscheen oder den verschiedenen Gebetszeiten-Apps. Doch wie diese Zeiten in den Kalendern oder Apps berechnet werden, ist einem großem Teil der Muslime nicht bekannt. Die folgenden Zeilen dienen dazu, zu erklären wie die Gebetszeiten in unserem Gebetszeiten-Kalender zustande kommen, damit jemand, der sich danach richtet, seine Pflicht mit ruhigem Herzen erfüllen kann.

 

Die Methodik, die dafür verwendet wird, wurde im Licht der Anweisungen der Gelehrten (Ulama) umgesetzt.

 

Die Bestimmung der Gebetszeiten

 

Im Quran und in der Sunnah des Propheten Sallallahu ‘alaihi wa sallam wurden der Beginn und das Ende von jeder Gebetszeit festgelegt. Die Bestimmung dieser Zeiten richtet sich bekanntlich nach dem Stand der Sonne, was von den Rechtsgelehrten (Fuqahaa) in den Büchern der Rechtswissenschaften ausführlich erklärt wurde. Dies ist allerdings nicht der Bereich eines Laien, weswegen wir nur eine kurze Zusammenfassung aufführen werden.

 

Die Sonne befindet sich innerhalb von 24 Stunden einige Zeit über und einige Zeit unter dem Horizont. Während sich die Sonne über dem Horizont befindet, d. h. den größten Teil des Tages, ist die Bestimmung der Gebetszeiten einfacher, da der Stand der Sonne mit bloßem Auge beobachtet werden kann, sowie der Schatten, der zur Ermittlung der Gebetszeit berücksichtigt wird. Dies betrifft die Gebetszeiten von Thuhr und Asr. Ähnlich verhält es sich beim Sonnenauf- und Untergang, da auch diese Vorgänge leichter beobachtet bzw. festgestellt werden können. Dies betrifft den Beginn der Maghrib-Zeit und das Ende der Fajr-Zeit.

 

Schwieriger wird es dann bei den übrigen Zeiten, die sich nach der Morgen- bzw. Abenddämmerung richten. Wann genau endet Maghrib und wann beginnt Ischa? Wann beginnt Fajr und wann muss man in Fastenzeiten aufhören zu essen? Da die Sonne unter dem Horizont steht, muss die Gebetszeit anhand der Dämmerung, die aus einem Übergang von Lichtverhältnissen besteht, bestimmt werden. Da die Dämmerungsphasen abhängig von verschiedenen Jahreszeiten sowie von verschiedenen Breitengraden nicht immer gleich lang sind und da diese durch atmosphärische Einflüsse nicht immer gut beobachtet werden können, sind genaue und kontinuierliche Beobachtungen erforderlich, damit diese Gebetszeiten richtig bestimmt werden können. Diese Beobachtungen müssen von Gelehrten und Astronomen vorgenommen werden, die in diesem Fachbereich geschult sind. Es reicht nicht aus, dass ein Laie oder sogar ein Gelehrter, der nicht in diesem Fachbereich ausgebildet wurde, nur einige Beobachtungen tätigt und sich dann sein Urteil bildet. Hieraus wird ersichtlich, dass wir immer auf spezifische Expertise und Fachwissen angewiesen sind, sei es in diesem oder einem anderen Bereich.

 

Hinzu kommt, dass die Städte und Orte in Deutschland mehrheitlich oberhalb des 48. Breitengrads liegen, was dazu führt, dass die Tage im Winter sehr kurz und die Nächte sehr lang sind. Im Sommer hingegen sind die Tage sehr lang und die Nächte sehr kurz. Sogar gibt es im Sommer eine Zeitspanne, in der ein Phänomen auftritt, welches man “Anhaltende Dämmerung” oder “Mitternachtsdämmerung” nennt. Dies bedeutet, dass es im Sommer für einige Zeit nachts nicht mehr komplett dunkel wird. In den Städten ist dieses Phänomen wohlgemerkt schwer zu beobachten, da die Lichtverschmutzung enorm hoch ist. An Plätzen, die außerhalb liegen und welche ideale Bedingungen für Beobachtungen bieten, ist dies wohlgemerkt deutlich zu erkennen, was den Gelehrten und Astronomen wohl bekannt ist. Auf folgendem Link kann dies nachgelesen werden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Dämmerung#Mitternachtsdämmerung

 

Bei der eigentlichen Ermittlung der Gebetszeiten steht also die Beobachtung an allererster Stelle. Da diese, besonders in Bezug auf das Ende der Maghrib-Zeit, den Anfang der Ischa-Zeit und den Anfang der Fajr-Zeit, ein schwieriges Unterfangen ist, haben die Gelehrten Berechnungsmethoden entwickelt, um es der Allgemeinheit der Muslime (besonders den Bewohnern der Großstädte) zu erleichtern. Diese Methoden basieren derart auf den Beobachtungen, dass es erlaubt ist, nach ihnen zu handeln. Dies geschah wohlgemerkt nicht erst in unserer heutigen Zeit, sondern wird unter anderem auf Gelehrte zurückdatiert, die vor mehr als 1000 Jahren gelebt haben. Da der Verlauf der Dämmerung abhängig davon ist, in welchem Winkel die Sonne unter dem Horizont steht, wurden verschiedene Grad-Zahlen für verschiedene Phasen der Dämmerung festgelegt. Man unterscheidet hierbei wohlgemerkt zwischen der astronomischen und der islamischen Definition von Dämmerungsphasen. Die astronomische Definition kann hier nachgelesen werden:

 

 

Im Folgenden wird das Zustandekommen des Gebetskalenders und wie wir die Zeiten darin berechnen, erklärt: (1) Bei jeder Gebetszeit wird zunächst erwähnt, wie die Gebetszeit im Licht von Quran und Sunnah von den Fuqahaa definiert wurde. (2) Danach wird die Berechnungsmethode aufgeführt, die in unserem Gebetsplan zum Tragen kommt. (3) Als letztes werden die Zeiten genannt, in der die Verrichtung des Gebets empfohlen wird bzw. in der die Verrichtung unbeliebt (Makruh) ist. Es sei anzumerken, dass wir uns im Allgemeinen nach der hanafitischen Rechtsschule richten.

 

WICHTIG: Man sollte in jedem Fall immer am Gebet mit der Jama’ah (Gemeinschaft) in der Masjid teilnehmen (sofern es möglich ist und sofern die Gebetszeit auch eingetreten ist), denn dies ist eine betonte Sunnah, die nicht vernachlässigt werden sollte.

 

Die Fajr-Zeit

 

1. Die Fajr-Zeit beginnt mit dem Subh as-Saadiq (d. h. mit dem ersten Licht, welches am östlichen Horizont erscheint und sich dann über den Horizont ausbreitet) und endet mit dem Sonnenaufgang. Subh as-Saadiq, welches sich nach dem Erscheinen horizontal ausbreitet, darf nicht mit dem Subh al-Kaadhib verwechselt werden, welches wie eine Säule vertikal in die Höhe strahlt. Hierzulande ist Subh al-Kaadhib seltener zu beobachten, doch in südlicheren Breitengraden ist dieses Phänomen häufiger zu sehen.   

Subh al-Kaadhib

Subh Kaadhib

Subh as-Saadiq

Subh Saadiq

 
 

 

2. Gemäß dem Rechtsurteil der Mehrheit der Gelehrten berechnen wir die Fajr-Zeit in unserem Gebetsplan und somit auch den Beginn des Fastens das Jahr über mit einem Winkel von 18° (Astronomische Dämmerung). Dies ist bis zum 18. Mai und danach wieder ab dem 25. Juli möglich (+- 1 Tag). Zwischen diesen beiden Daten tritt (bei uns in Hannover) die “Mitternachtsdämmerung” auf, was bedeutet, dass die Sonne während dieser Zeitspanne nicht mehr bis 18° unter den Horizont wandert. Für diesen Zeitraum haben die Rechtsgelehrten verschiedene Methoden erwähnt, um den Beginn der Fajr-Zeit zu bestimmen. Von diesen Methoden wird die Folgende in unserem Gebetskalender angewandt:

 

Nisf al-Layl oder Tansief al-Layl – Dies bedeutet übersetzt: “Die Hälfte der Nacht” oder “Die Halbierung der Nacht”. Bei dieser Methode teilt man die Nacht in zwei Hälften, indem man genau die Mitte zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ermittelt. Die erste Hälfte wird dem Maghrib– und Ischa-Gebet zugeordnet und mit der zweiten Hälfte beginnt die Fajr-Zeit. Um die Zeit auf leichte Weise herauszufinden, ist es ebenfalls möglich, dass man vom wahren Mittag 12 Stunden abzieht. Den wahren Mittag nennt man den Höchststand der Sonne in der Mittagszeit, auch Istiwaa genannt. Wenn die Sonne z. B. am 19. Mai ihren Höchststand um 13:18 Uhr erreicht hat, so würde die Fajr-Zeit um 1:18 Uhr beginnen. Auf diese Weise fährt man bis zum 24. Juli fort, bis wieder ein regulärer Beginn der Fajr-Zeit bestimmt werden kann (d. h. am 25. Juli (+- 1 Tag)).

Damit man die Zeiten der Methode Tansief al-Layl in unserem Gebetszeiten-Kalender während der anhaltenden Dämmerung erkennen kann, werden diese nicht fett formatiert. Dazu soll erwähnt sein, dass eine bestimmte Methode in jedem Fall beibehalten werden muss. Man darf beispielsweise nicht einfach 1-2 Tage eine Methode anwenden, um dann wieder zu einer anderen Methode zu wechseln, so wie es manche tun, die bei verschiedenen Moscheen zu Gast sind.

3. Das Fajr-Gebet sollte zu einem Zeitpunkt vor dem Sonnenaufgang verrichtet werden, der es ermöglicht die Quran-Rezitation gemäß der Sunnah im Gebet einzuhalten und das Gebet erneut zu verrichten, sollte dieses aus irgendeinem Grund wiederholt werden müssen. Die Gelehrten haben dafür im Allgemeinen einen Zeitraum von 45 bis 30 Minuten vor Sonnenaufgang festgelegt. Im Winter und im Ramadhan hingegen sollte das Fajr-Gebet zur ersten Zeit verrichtet werden, da es für die Allgemeinheit zu dieser Jahreszeit leichter ist, zu dieser Zeit an der Jamaah teilzunehmen. Hierbei wird berücksichtigt, dass es besser ist das Gebet zu einer anderen als der Mustahab-Zeit zu verrichten, wenn die Leute zu dieser Zeit zahlreicher erscheinen können.

Das Fajr-Gebet sollte nach Möglichkeit frühestens 20-25 Minuten nach der Anfangszeit verrichtet werden, da die Fajr-Zeit nach der Meinung von einigen Gelehrten erst später beginnt. Nach den Rechtsgelehrten ist eine derartige Berücksichtigung vorsichtshalber besser, wenn auch nicht unbedingt notwendig.

 

Die Thuhr-Zeit

1. Die Thuhr-Zeit beginnt mit dem Zawaal (was bedeutet, dass die Sonne von ihrem Höchststand am wahren Mittag wieder herabwandert) und endet nach der Mehrheit der Gelehrten, darunter auch große Imame der hanafitischen Rechtsschule, wenn der Schatten eines Objekts seine eigene Länge, zuzüglich seines eigentlichen Schattens am wahren Mittag, erreicht. Dies nennt man Mithl al-Auwal. Die primäre Meinung der hanafitischen Rechtsschule unterscheidet sich hingegen darin, dass der Schatten die doppelte Länge, zuzüglich seines eigentlichen Schattens am wahren Mittag, erreicht haben muss. Dies nennt man Mithl ath-Thaani.

2. Um den Beginn der Thuhr-Zeit zu ermitteln, werden auf die Zeit am wahren Mittag ca. 5 Minuten addiert, um sicherzugehen, dass die Zeit auch wirklich begonnen hat.

3. Es wird empfohlen, das Thuhr-Gebet immer zur ersten Zeit zu verrichten, ausgenommen davon ist die Zeit im Sommer, wenn es sehr heiß ist. In diesem Zeitraum sollte man das Gebet verschieben, bis es sich etwas abgekühlt hat. Dies kommt vor allem in heißen Ländern zu tragen.

Um nicht gegen die Mehrheit der Gelehrten zu handeln, sollte man das Thuhr-Gebet vor Ende der ersten Asr-Zeit gebetet haben und das Asr-Gebet sollte nach Beginn der zweiten Asr-Zeit verrichtet werden.

 

Die Asr-Zeit

1. Die Asr-Zeit beginnt mit dem Ende der Thuhr-Zeit und endet mit dem Sonnenuntergang.

2. Wir geben in unserem Gebetsplan beide Asr-Zeiten an (Asr 1 = Mithl al-Auwal und Asr 2 = Mithl ath-Thaani, siehe Thuhr-Zeit).

3. Das Asr-Gebet sollte zur ersten Zeit verrichtet werden. Es ist Makruh sich ohne gültige Entschuldigung mit dem Asr-Gebet so lange zu verspäten, bis die Sonne eine beige Farbe annimmt. Es wird deshalb betont, dass das Gebet spätestens eine Stunde vor Sonnenuntergang begonnen werden sollte (sowohl auch mit der Jama’ah oder falls man das Gemeinschaftsgebet verpasst haben sollte).

 

Die Maghrib-Zeit

1. Die Maghrib-Zeit beginnt mit dem Sonnenuntergang und endet mit dem Entschwinden des Schafaq. Nach der Mehrheit der Gelehrten, darunter auch große Imame der hanafitischen Rechtsschule, ist mit Schafaq die rote Abenddämmerung gemeint, die man Schafaq al-Ahmar nennt. Nach der primären Meinung der hanafitischen Rechtsschule ist mit Schafaq die weiße Abenddämmerung gemeint, welche man Schafaq al-Abyadh nennt.

2. Als Vorsichtsmaßnahme fügen wir in unserem Gebetsplan 5 Minuten zum astronomischen Sonnenuntergang hinzu. Dies wird von den Gelehrten im Allgemeinen empfohlen, um sicherzugehen, dass z. B. beim Fastenbrechen oder beim Beginn des Gebets die Zeit auch wirklich eingetreten ist.

3. Man sollte das Maghrib-Gebet immer zur ersten Zeit verrichten und es ist leicht unbeliebt (Makruh Tansihi) sich ohne legitimen Grund mit dem Gebet zu verspäten, so dass ein paar Sterne sichtbar werden. Sich aber ohne gültige Entschuldigung mit dem Gebet bis dahin zu verspäten, so dass viele Sterne sichtbar werden und es dunkel wird, ist schwer unbeliebt (Makruh Tahrimi). Für diesen Zeitpunkt haben die Gelehrten einen Standardwert von 10° festgelegt.

Um nicht gegen die Mehrheit der Gelehrten zu handeln, sollte man das Maghrib-Gebet vor dem Entschwinden des Schafaq al-Ahmar gebetet haben, sofern es einem vor dieser Zeit nicht möglich war.

 

 

Die Ischa-Zeit

1. Die Ischa-Zeit beginnt mit dem Ende der Maghrib-Zeit, d. h. mit dem Entschwinden des Schafaq und endet mit dem Beginn der Morgendämmerung d. h. Subh as-Saadiq.

2. Gemäß der Fatwa der Gelehrten zur Vereinheitlichung der Gebetszeitenkalender in Deutschland wurde für Schafaq al-Ahmar (die rote Abenddämmerung) ein Winkel von 17° festgelegt. Die eigentliche Ischa-Zeit nach Imam Abu Haniefah Rahimahullah ist Schafaq al-Abyadh, welche in der Regel mit 18° berechnet wird (diese tritt unter normalen Umständen ca. 7 Minuten nach der angeführten Ischa-Zeit ein). Nach Möglichkeit sollte das Gebet nach dieser Zeit verrichtet werden.

Im Sommer entschwindet die weiße Abenddämmerung entweder sehr spät oder überhaupt nicht. Selbst die rote Abenddämmerung entschwindet in diesen Monaten in vielen Städten in Deutschland entweder sehr spät oder geht ebenfalls in die Morgendämmerung über, was bedeutet, dass die Sonne nicht einmal mehr einen Winkel von 17° unter den Horizont wandert. Dies hat zur Folge, dass die Ischa-Zeit (bei uns in Hannover) im Sommer überhaupt nicht eintritt und für längere Zeit nicht berechnet werden kann. Während dieser Zeitspanne (und auch wenn die Zeit zwar berechnet werden kann, aber sehr spät eintritt s. u.) wird die Methode “1/3 der Nacht” angewandt.

3. Es wird empfohlen, das Ischa-Gebet im Winter, wenn der Sonnenuntergang zwischen 16 und 17 Uhr liegt, bis (bzw. fast bis) zum ersten Drittel der Nacht hinauszuschieben (vorzugsweise 2,5 bis 3 Stunden nach Maghrib) und in den restlichen Jahreszeiten sollte man es zur ersten Zeit beten, da das Hinausschieben eine Erschwernis für die Betenden darstellen würde. Es ist Makruh das Gebet ohne gültige Entschuldigung bis über die Hälfte der (islamischen) Nacht aufzuschieben.

 

Die Haraj-Zeit

Wie schon oben erwähnt tritt die Ischa-Zeit im Sommer entweder sehr spät ein und zeitweise (bei uns in Hannover) sogar überhaupt nicht. Wem es also möglich ist, zur richtigen Zeit zu beten, der sollte dies in jedem Fall tun, auch wenn er dadurch nicht am Jama’ah-Gebet (Gemeinschaftsgebet) teilnehmen kann. Da dies allerdings eine Erschwernis für die Allgemeinheit bedeutet, wurde für das Ischa-Gebet die Methode “1/3 der Nacht” als Haraj-Zeit festgelegt, um der Gemeinschaft die Last, die aufgrund der späten Gebetszeit entsteht, abzunehmen und um die Jama’ah in der Moschee aufrechtzuerhalten. Die Haraj-Zeit kann auch verwendet werden, wenn die Gebetszeit überhaupt nicht eintritt. (Anmerkung: Haraj bedeutet in der arabischen Sprache: Schwierigkeit, Bedrängnis oder Unbehagen.)

 

 

Schafaq al-Abyadh

Subh Kaadhib

Schafaq al-Ahmar

Subh Saadiq

 
 

Haftungsausschluss

Jeder Einzelne ist selbst verantwortlich den Kontakt mit den Gelehrten zu pflegen und zu erfragen, ob seine Handlungsweise gemäß den islamischen Regelungen bzw. gemäß seiner Rechtsschule korrekt ist oder nicht. Die hier aufgeführte Methodik ist das abschließende Ergebnis von längerer Korrespondenz mit Rechtsgelehrten (Muftiyaan-e-Kiram) der hanafitischen Rechtsschule, welche das abschließende Ergebnis durch ihre Fatwa (Rechtsurteil) bestätigt haben. Wenn jemand also nach diesen Gebetszeiten betet und fastet, kann er sicher gehen, dass er eine gültige Methodik befolgt. Es gibt einem aber nicht das Recht, über andere Methodiken/Rechtsschulen zu urteilen, da es, wie in allen Bereichen des Islam, immer unterschiedliche Meinungen gibt. Und diese Meinungsverschiedenheiten aufzuführen, zu erklären und zu beurteilen, sowie den Handlungsspielraum festzulegen, ist Sache der autorisierten Rechtsgelehrten. Die Allgemeinheit sollte nicht darüber debattieren und es schon gar nicht zu Auseinandersetzungen kommen lassen.

Aller Hamd gebührt nur Allah und nur durch Ihn kommt das Gute zur Vollendung. Möge Allah Ta’ala unsere Ulama, denen wir hier unseren Dank aussprechen, für ihre Bemühungen reichlich belohnen. Amien.