Erklärung zur Berechnung der Gebetszeiten

بسم الله الرحمن الرحيم

 الحمد لله رب العالمين والصلاة والسلام على سيد المرسلين وعلى آله واصحابه اجمعين

UPDATED: 01.07.2024

 

KURZFASSUNG (Die ausführliche Erklärung ist weiter unten aufgeführt.)

 

Instruktionen zu den Berechnungen für die Pflichtgebete:

 

Fajr

Subh as-Saadiq wird mit 18 Grad berechnet. Während der anhaltenden Dämmerung wird die Methode Nisf al-Layl angewandt. Das Fasten sollte vorsichtshalber 5 Minuten vor Beginn der Fajr-Zeit begonnen werden und der Adhan sollte frühestens 5 Minuten nach Beginn der Zeit ausgerufen werden (zur Zeit der anhaltenden Dämmerung sollte mindestens 15 Minuten gewartet werden).

 

Thuhr

Zur Istiwa-Zeit (wahre Mittagszeit) wurden ca. 5 Minuten hinzugefügt, um den Anfang der Zeit zu bestimmen.

 

Asr – Mithl al-Auwal (Schaf’ie, Maliki, Hanbali & Saahibain)

Diese Asr-Zeit beginnt, wenn der Schatten eine einfache Länge plus die ursprüngliche Länge des Schattens zur Istiwa-Zeit erreicht.

Asr – Mithl ath-Thani (Imam Abu Hanifah)

Diese Asr-Zeit beginnt, wenn der Schatten eine zweifache Länge plus die ursprüngliche Länge des Schattens zur Istiwa-Zeit erreicht.

Makruh-Zeit nach Asr

Zur Ermittlung des Beginns der Makruh-Zeit empfehlen die Gelehrten eine Berechnung mit 4° des Sonnenstands vor Sonnenuntergang (4,5° bis 5° wurden ebenfalls erwähnt). Deshalb sollte man vorsichtshalber spätestens 1 Stunde vor Sonnenuntergang mit dem Asr-Gebet beginnen, um zu vermeiden, dass es Makruh wird.

 

Maghrib (Iftaar)

Zum astronomischen Sonnenuntergang werden ca. 6-7 Minuten hinzugefügt, um den Beginn der Maghrib-Zeit zu bestimmen, wodurch die Refraktion berücksichtigt wird. Man sollte das Gebet nicht vorher beginnen und auch das Fasten nicht vorher brechen. Es ist Sunnah das Maghrib-Gebet immer zur ersten Zeit zu verrichten. Sich damit etwas zu verspäten, ist leicht Makruh und sich so weit mit dem Gebet zu verspäten, dass viele Sterne sichtbar werden, ist schwer Makruh.

 

Ischa

Für den Beginn der Ischa-Zeit wurde das Entschwinden von Schafaq al-Ahmar (der roten Abenddämmerung) und hierfür ein Winkel von 16° festgelegt. Infolgedessen wird dieser in unserem Gebetszeiten-Kalender das ganze Jahr über verwendet. Nach Imam Abu Haniefah Rahimahullah tritt die Ischa-Zeit ein, wenn Schafaq al-Abyadh (die weiße Dämmerung) entschwindet, was in der Regel mit 18° berechnet wird. Da diese Zeit mit Einigkeit der Gelehrten gültig (Muttafaqun alaih) ist und diese in der kalten Jahreszeit keine Schwierigkeit darstellt, sollte das Ischa-Gebet besonders im Winter nach dieser Zeit verrichtet werden. (Von Oktober bis Mitte März beginnt diese Ischa-Zeit ca. 13 Minuten später als die angegebene Zeit, siehe Hinweis). Da die Ischa-Zeit von Ende April bis Ende August größtenteils sehr spät und zeitweise überhaupt nicht eintritt, wird eine Haraj-Zeit angeben (siehe unten).

 

Haraj

Wie oben erwähnt, beginnt die Ischa-Zeit im Sommer in hohen Breitengraden entweder sehr spät oder sogar überhaupt nicht. Deshalb stehen wir außergewöhnlichen Umständen gegenüber. Wenn es also jemandem möglich ist, zur richtigen Zeit zu beten (wie z. B. jemand, der Nachtschicht hat usw.), sollte er dies tun, auch wenn er dadurch das Gebet mit der Jama’ah verpassen würde. Die eigentliche Gebetszeit für das Ischa-Gebet ist im Jahreskalender zu finden. Da dies allerdings eine Erschwernis für die Allgemeinheit bedeutet, wurde für das Ischa-Gebet eine Haraj-Zeit festgelegt, welche verwendet werden kann, wenn man aus legitimen Gründen (wie z. B. Frühschicht, Schule, Krankheit usw.) nicht länger wach bleiben kann. Diese Haraj-Zeit sollte ebenfalls verwendet werden, wenn die Ischa-Zeit überhaupt nicht eintritt.

 

Instruktionen zu den Berechnungen für die freiwilligen Gebete

 

Ischraq

Das freiwillige Gebet nach dem Sonnenaufgang sollte verrichtet werden, wenn die Sonne die Länge eines Speeres über dem Horizont steht. Hierfür empfehlen die Gelehrten einen Winkel von 3°. Daraus ergibt sich das Jahr über eine wechselnde Zeitspanne, die zwischen ca. 25 – 35 Minuten liegt.

 

Salaat ad-Dhuha

Die Zeit beginnt ab der Hälfte des Vormittags (die Hälfte zwischen Sonnenaufgang und Istiwa) und endet bis 10 Minuten vor Beginn der Thuhr-Zeit. Bis dahin sollte man das Gebet verrichtet haben.

 

Nisf an-Nahaar al-Schar’ie

Dies ist die Zeit (auch bekannt als al-Dahwa al-Kubra), bis zu der man, gemäß der Hanafi-Madhhab, die Absicht zum Fasten gefasst haben muss. Dieser Zeitpunkt wird mit der Mitte des Tages, d. h. genau zwischen dem Beginn der Morgendämmerung/Fajr-Zeit und dem Sonnenuntergang, berechnet. Während der Tage der anhaltenden Dämmerung in Deutschland wird die Fajr-Zeit nach der Nisf al-Lail-Methode ermittelt.

 

 

Einleitung

Sobald jemand dem Islam beitritt oder jemand, der als Muslim geboren wurde, die Geschlechtsreife erreicht hat, wird die Verrichtung der fünf täglichen Gebete für ihn zur Pflicht. Damit sein Gebet gültig ist und von Allah ta’ala angenommen wird, gibt es mehrere Voraussetzungen. Eine davon ist die Einhaltung der Gebetszeiten. Allah ta’ala sagt im Quran:

 

إِنَّ ٱلصَّلَوةَ كَانَتْ عَلَى ٱلْمُؤْمِنِينَ كِتَـٰبًا مَّوْقُوتًا

“Das Gebet ist den Gläubigen zu bestimmten Zeiten vorgeschrieben.”
(Surah An-Nisaa; 103)

 

Damit ein Muslim also die Pflicht der fünf Gebete erfüllen kann, muss er diese zu den vorgeschriebenen Zeiten verrichten. Er sollte sich deshalb immer bewusst sein, wann die Zeit für das nächste Gebet eintritt. Nun richten wir uns heutzutage nach den Gebetszeiten-Kalendern in den Moscheen oder den verschiedenen Gebetszeiten-Apps. Doch wie diese Zeiten in den Kalendern oder Apps berechnet werden, ist einem großem Teil der Muslime nicht bekannt. Die folgenden Zeilen dienen dazu, zu erklären wie die Gebetszeiten in unserem Gebetszeiten-Kalender zustande kommen, damit jemand, der sich danach richtet, seine Pflicht mit ruhigem Herzen erfüllen kann.

Die Methodik, die dafür verwendet wird, wurde im Licht der Anweisungen der Gelehrten (Ulama) umgesetzt.

 

Die Bestimmung der Gebetszeiten

Im Quran und in der Sunnah des Propheten sallallahu ‘alaihi wa sallam wurden der Beginn und das Ende von jeder Gebetszeit festgelegt. Die Bestimmung dieser Zeiten richtet sich bekanntlich nach dem Stand der Sonne, was von den Rechtsgelehrten (Fuqahaa) in den Büchern der Rechtswissenschaften ausführlich erklärt wurde. Dies ist allerdings nicht der Bereich eines Laien, weswegen wir nicht auf die Beweise etc. eingehen werden.

Die Sonne befindet sich innerhalb von 24 Stunden einige Zeit über und einige Zeit unter dem Horizont. Während sich die Sonne über dem Horizont befindet, d. h. den größten Teil des Tages, ist die Bestimmung der Gebetszeiten einfacher, da der Stand der Sonne mit bloßem Auge beobachtet werden kann, sowie der Schatten, der zur Ermittlung der Gebetszeit berücksichtigt wird. Dies betrifft die Gebetszeiten von Thuhr und Asr. Ähnlich verhält es sich beim Sonnenauf- und Untergang, da auch diese Vorgänge leichter beobachtet bzw. festgestellt werden können. Dies betrifft den Beginn der Maghrib-Zeit und das Ende der Fajr-Zeit.

Schwieriger wird es bei den übrigen Zeiten, die sich nach der Morgen- bzw. Abenddämmerung richten. Wann genau endet Maghrib und wann beginnt Ischa? Wann beginnt Fajr und wann muss man in Fastenzeiten aufhören zu essen? Da die Sonne unter dem Horizont steht, muss die Gebetszeit anhand der Dämmerung, die aus einem Übergang von Lichtverhältnissen besteht, bestimmt werden. Da die Dämmerungsphasen abhängig von verschiedenen Jahreszeiten sowie von verschiedenen Breitengraden nicht immer gleich lang sind und da diese durch atmosphärische Einflüsse nicht immer gut beobachtet werden können, sind genaue und kontinuierliche Beobachtungen erforderlich, damit diese Gebetszeiten richtig bestimmt werden können. Diese Beobachtungen müssen von Gelehrten und Astronomen vorgenommen werden, die in diesem Fachbereich geschult sind. Es reicht nicht aus, dass ein Laie oder sogar ein Gelehrter, der nicht in diesem Fachbereich ausgebildet wurde, nur einige Beobachtungen tätigt und sich dann sein Urteil bildet. Hieraus wird ersichtlich, dass wir immer auf spezifische Expertise und spezifisches Fachwissen angewiesen sind, sei es in diesem oder einem anderen Bereich.

Hinzu kommt, dass die Städte und Orte in Deutschland mehrheitlich oberhalb des 48. Breitengrads liegen, was dazu führt, dass die Tage im Winter sehr kurz und die Nächte sehr lang sind. Im Sommer hingegen sind die Tage sehr lang und die Nächte sehr kurz. Sogar gibt es im Sommer eine Zeitspanne, in der ein Phänomen auftritt, welches man “Anhaltende Dämmerung” oder “Mitternachtsdämmerung” nennt. Dies bedeutet, dass es im Sommer für einige Zeit nachts nicht mehr komplett dunkel wird. In den Städten ist dieses Phänomen wohlgemerkt schwer zu beobachten, da die Lichtverschmutzung enorm hoch ist. An Plätzen, die außerhalb liegen und welche ideale Bedingungen für Beobachtungen bieten, ist dies wohlgemerkt deutlich zu erkennen, was den Gelehrten und Astronomen wohl bekannt ist. Auf folgendem Link kann dies nachgelesen werden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Dämmerung#Mitternachtsdämmerung

 

Bei der eigentlichen Ermittlung der Gebetszeiten steht also die Beobachtung an allererster Stelle. Da diese, besonders in Bezug auf das Ende der Maghrib-Zeit, den Anfang der Ischa-Zeit und den Anfang der Fajr-Zeit, ein schwieriges Unterfangen ist, haben die Gelehrten Berechnungsmethoden entwickelt, um es der Allgemeinheit der Muslime (besonders den Bewohnern der Großstädte) zu erleichtern. Diese Methoden basieren derart auf den Beobachtungen, dass es erlaubt ist, nach ihnen zu handeln. Dies geschah wohlgemerkt nicht erst in unserer heutigen Zeit, sondern wird unter anderem auf Gelehrte zurückdatiert, die vor mehr als 1000 Jahren gelebt haben. Da der Verlauf der Dämmerung abhängig davon ist, in welchem Winkel die Sonne unter dem Horizont steht, wurden verschiedene Grad-Zahlen für verschiedene Phasen der Dämmerung festgelegt. Man unterscheidet hierbei wohlgemerkt zwischen der astronomischen und der islamischen Definition von Dämmerungsphasen. Die astronomische Definition kann hier nachgelesen werden:

 

Im Folgenden wird das Zustandekommen des Gebetskalenders und wie wir die Zeiten darin berechnen, erklärt: (1) Bei jeder Gebetszeit wird zunächst erwähnt, wie die Gebetszeit im Licht von Quran und Sunnah von den Fuqahaa definiert wurde. (2) Danach wird die Berechnungsmethode aufgeführt, die in unserem Gebetsplan zum Tragen kommt. (3) Als letztes werden die Zeiten genannt, in der die Verrichtung des Gebets empfohlen wird bzw. in der die Verrichtung unbeliebt (Makruh) ist. Es sei anzumerken, dass wir uns dabei nach der hanafitischen Rechtsschule richten.

WICHTIG: Man sollte in jedem Fall immer am Gebet mit der Jama’ah (Gemeinschaft) in der Masjid teilnehmen (sofern es möglich ist und sofern die Gebetszeit auch eingetreten ist), denn dies ist eine betonte Sunnah, die nicht vernachlässigt werden sollte.

 

Die Fajr-Zeit

1. Die Fajr-Zeit beginnt mit dem Subh as-Saadiq (d. h. mit dem ersten Licht, welches am östlichen Horizont erscheint und sich dann über den Horizont ausbreitet) und endet mit dem Sonnenaufgang. (Anm.: vom astronomischen Sonnenaufgang werden sicherheitshalber 5 Minuten abgezogen, um nicht Gefahr zu laufen, dass ein Teil der Sonne schon über den Horizont gewandert ist.)

Subh as-Saadiq, welches sich nach dem Erscheinen horizontal ausbreitet, darf nicht mit dem Subh al-Kaadhib verwechselt werden, welches wie eine Säule vertikal in die Höhe strahlt. Hierzulande ist Subh al-Kaadhib seltener zu beobachten, doch in südlicheren Breitengraden ist dieses Phänomen häufiger zu sehen.   

Subh al-Kaadhib

Subh Kaadhib

Subh as-Saadiq

Subh Saadiq

 

 

2. Gemäß dem Rechtsurteil der Mehrheit der Gelehrten sowie der Bestätigung durch anhaltende Beobachtungen der Astronomen berechnen wir die Fajr-Zeit in unserem Gebetsplan und somit auch den Beginn des Fastens mit einem Winkel von 18° (Astronomische Dämmerung). Dies ist (bei uns in Hannover) bis zum 18. Mai und danach wieder ab dem 25. Juli möglich (+- 1 Tag). Zwischen diesen beiden Daten tritt die “Mitternachtsdämmerung” auf, was bedeutet, dass die Sonne während dieser Zeitspanne nicht mehr bis 18° unter den Horizont wandert. Für diesen Zeitraum haben die Rechtsgelehrten verschiedene Methoden erwähnt, um den Beginn der Fajr-Zeit zu bestimmen. Von diesen Methoden wird die Folgende in unserem Gebetskalender angewandt:

Nisf al-Layl oder Tansief al-Layl – Dies bedeutet übersetzt: “Die Hälfte der Nacht” oder “Die Halbierung der Nacht”. Bei dieser Methode teilt man die Nacht in zwei Hälften, indem man genau die Mitte zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ermittelt. Die erste Hälfte wird dem Maghrib– und Ischa-Gebet zugeordnet und mit der zweiten Hälfte beginnt die Fajr-Zeit. Um die Zeit auf leichte Weise herauszufinden, ist es ebenfalls möglich, dass man vom wahren Mittag 12 Stunden abzieht. Den wahren Mittag nennt man den Höchststand der Sonne in der Mittagszeit, auch Istiwaa genannt. Wenn die Sonne z. B. am 19. Mai ihren Höchststand um 13:18 Uhr erreicht hat, so würde die Fajr-Zeit um 1:18 Uhr beginnen. Auf diese Weise fährt man bis zum 24. Juli fort, bis wieder ein regulärer Beginn der Fajr-Zeit bestimmt werden kann (d. h. am 25. Juli, +-1 Tag).

Damit man die Zeiten der Methode Tansief al-Layl in unserem Gebetszeiten-Kalender während der anhaltenden Dämmerung erkennen kann, werden diese nicht fett formatiert. Dazu soll erwähnt sein, dass eine bestimmte Methode in jedem Fall beibehalten werden muss. Man darf beispielsweise nicht einfach 1-2 Tage eine Methode anwenden, um dann wieder zu einer anderen Methode zu wechseln, so wie es manche tun, die bei verschiedenen Moscheen zu Gast sind.

3. Das Fajr-Gebet sollte zu einem Zeitpunkt vor dem Sonnenaufgang verrichtet werden, der es ermöglicht die Quran-Rezitation gemäß der Sunnah im Gebet einzuhalten und das Gebet erneut zu verrichten, sollte dieses aus irgendeinem Grund wiederholt werden müssen. Die Gelehrten haben dafür im Allgemeinen einen Zeitraum von 45 bis 30 Minuten vor Sonnenaufgang festgelegt. Im Winter und im Ramadhan hingegen sollte das Fajr-Gebet zu Beginn der Gebetszeit verrichtet werden, da es für die Allgemeinheit zu dieser Jahreszeit leichter ist, zu dieser Zeit an der Jama’ah teilzunehmen. Hierbei wird berücksichtigt, dass es besser ist, das Gebet zu einer anderen als der Mustahabb-Zeit zu verrichten, wenn die Leute zu dieser Zeit zahlreicher erscheinen können.

 

Die Thuhr-Zeit

1. Die Thuhr-Zeit beginnt mit dem Zawaal (was bedeutet, dass die Sonne von ihrem Höchststand am wahren Mittag wieder herabwandert) und endet nach der Mehrheit der Gelehrten, darunter auch große Imame der hanafitischen Rechtsschule, wenn der Schatten eines Objekts seine eigene Länge, zuzüglich seines eigentlichen Schattens am wahren Mittag, erreicht. Dies nennt man Mithl al-Auwal. Die primäre Meinung der hanafitischen Rechtsschule unterscheidet sich hingegen darin, dass der Schatten die doppelte Länge, zuzüglich seines eigentlichen Schattens am wahren Mittag, erreicht haben muss. Dies nennt man Mithl al-Thaani.

2. Um den Beginn der Thuhr-Zeit zu ermitteln, werden auf die Zeit am wahren Mittag (Istiwaa) ca. 5 Minuten addiert, um sicherzugehen, dass die Zeit auch wirklich begonnen und die Makruh-Zeit geendet hat.

3. Es wird empfohlen, das Thuhr-Gebet immer zur ersten Zeit zu verrichten, ausgenommen davon ist die Zeit im Sommer, wenn es sehr heiß ist. In diesem Zeitraum sollte man das Gebet verschieben, bis es sich etwas abgekühlt hat. Dies kommt vor allem in heißen Ländern zu tragen. Nach einigen Gelehrten ist es besser das Thuhr-Salaah in der Gemeinschaft ca. 1 Stunde nach dem Beginn der Zeit zu verrichten. Die Gründe hierfür sind u. a.: Die Sunnah des Mittagsschlafs (Qailulah) vor Thuhr, das Salaatu ‘indaz Zawaal (ein freiwilliges Gebet zum Anfang der Thuhr-Zeit, welches von verschiedenen großen Gelehrten erwähnt wurde) sowie Überlieferungen darüber, dass die Quran-Rezitation des Propheten sallallahu alaihi wa sallam im freiwilligen Gebet vor dem Thuhr-Gebet sehr lang angedauert hatte.

Um nicht gegen die Mehrheit der Gelehrten zu handeln, sollte man das Thuhr-Gebet vor Beginn der ersten Asr-Zeit gebetet haben und das Asr-Gebet sollte nach Beginn der zweiten Asr-Zeit verrichtet werden.

 

Die Asr-Zeit

1. Die Asr-Zeit beginnt mit dem Ende der Thuhr-Zeit und endet mit dem Sonnenuntergang.

2. Wir geben in unserem Gebetsplan beide Asr-Zeiten an (Mithl al-Auwal = Mithl 1 und Mithl al-Thaani = Mithl 2, siehe Thuhr-Zeit).

3. Das Asr-Gebet sollte zur ersten Zeit verrichtet werden. Es ist Makruh sich ohne gültige Entschuldigung mit dem Asr-Gebet so lange zu verspäten, bis die Sonne eine beige Farbe annimmt. Natürlich muss das Gebet auch dann verrichtet werden (selbst wenn der Sonnenuntergang schon begonnen hat). Zur Ermittlung des Beginns der Makruh-Zeit empfehlen die Gelehrten eine Berechnung mit 4° des Sonnenstands vor Sonnenuntergang (4,5° bis 5° wurden ebenfalls erwähnt). Es wird deshalb betont, dass das Gebet spätestens eine Stunde vor Sonnenuntergang begonnen werden sollte (sowohl auch mit der Jama’ah oder falls man das Gemeinschaftsgebet verpasst haben sollte) und nach manchen Gelehrten ist dies Mustahabb.

 

Die Maghrib-Zeit

1. Die Maghrib-Zeit beginnt mit dem Sonnenuntergang und endet mit dem Entschwinden des Schafaq. Nach der Mehrheit der Gelehrten, darunter auch große Imame der hanafitischen Rechtsschule, ist mit Schafaq die rote Abenddämmerung gemeint, die man Schafaq al-Ahmar nennt. Nach der bekannten Meinung von Imam Abu Haniefah Rahimahullah ist mit Schafaq die weiße Abenddämmerung gemeint, welche man Schafaq al-Abyadh nennt.

2. Als Vorsichtsmaßnahme fügen wir in unserem Gebetsplan 6-7 Minuten zum astronomischen Sonnenuntergang hinzu. Dies wird von den Gelehrten im Allgemeinen empfohlen, um die Refraktion zu berücksichtigen sowie um sicherzugehen, dass z. B. beim Fastenbrechen oder beim Beginn des Gebets die Zeit auch wirklich eingetreten ist.

3. Man sollte das Maghrib-Gebet immer zur ersten Zeit verrichten und es ist leicht unbeliebt (Makruh Tansihi) sich ohne legitimen Grund mit dem Gebet zu verspäten, so dass ein paar Sterne sichtbar werden. Das Jama’ah-Gebet sollte (nur in Ausnahmefällen) nicht länger als 10-15 Minuten verschoben werden. Sich ohne gültige Entschuldigung mit dem Gebet bis dahin zu verspäten, dass viele Sterne sichtbar werden und es dunkel wird, ist schwer unbeliebt (Makruh Tahrimi). Für diesen Zeitpunkt haben die Gelehrten einen Standardwert von 10° festgelegt.

Hinweis: Wenn man die Meinungsverschiedenheiten der Gelehrten über die Maghrib-Zeit vermeiden möchte, sollte man das Gebet vorsichtshalber innerhalb der ersten 65-70 Minuten nach Sonnenuntergang verrichtet haben (natürlich nur, wenn es zur ersten Zeit überhaupt nicht möglich war).

 

Die Ischa-Zeit

1. Die Ischa-Zeit beginnt mit dem Ende der Maghrib-Zeit, d. h. mit dem Entschwinden des Schafaq und endet mit dem Beginn der Morgendämmerung, d. h. Subh as-Saadiq.

2. Was den Beginn der Ischa-Zeit betrifft, gibt es, in Bezug auf den Stand der Sonne unter dem Horizont, unter den früheren Gelehrten/Astronomen verschiedene Meinungen, welcher Winkel verwendet werden sollte. So reichen die allgemein bekannten Aussagen von 15°, 16° und 17° (rote Abenddämmerung) bis hin zu 18° (weiße Abenddämmerung). Aufgrund einer Konferenz der Gelehrten zur Vereinheitlichung der Gebetszeitenkalender in Deutschland/Europa im Jahre 2021 wurde für das Entschwinden von Schafaq al-Ahmar (die rote Abenddämmerung) ein Winkel von 16° festgelegt. Demzufolge wird dieser Winkel das ganze Jahr über in unserem Gebetszeiten-Kalender verwendet. Die bekannte Aussage zur Ischa-Zeit nach Imam Abu Haniefah Rahimahullah ist, dass die Zeit eintritt, wenn Schafaq al-Abyadh (die weiße Dämmerung) entschwindet, was in der Regel mit 18° berechnet wird. Da diese Zeit mit Einigkeit der Gelehrten gültig (Muttafaqun alaih) ist und diese in der kalten Jahreszeit keine Schwierigkeit darstellt, sollte das Ischa-Gebet besonders im Winter nach dieser Zeit verrichtet werden. (Von Oktober bis Mitte März beginnt diese Ischa-Zeit ca. 13 Minuten später als die angegebene Zeit, siehe Hinweis). Folglich berücksichtigen wir diesen Winkel während der Winter- bzw. Normalzeit für das Jama’ah-Gebet.

Im Sommer entschwindet die weiße Abenddämmerung entweder sehr spät oder überhaupt nicht. Selbst die rote Abenddämmerung entschwindet in diesen Monaten in vielen Städten in Deutschland entweder sehr spät oder geht ebenfalls in die Morgendämmerung über, was bedeutet, dass die Sonne nicht ausreichend unter den Horizont wandert. Dies hat zur Folge, dass die Ischa-Zeit nach 16° (bei uns in Hannover) im Sommer zeitweise überhaupt nicht eintritt und für längere Zeit nicht berechnet werden kann. Für diese Zeitspanne (und auch wenn die Zeit zwar berechnet werden kann, aber sehr spät eintritt) wird eine Haraj-Zeit angeben (siehe unten).

3. Es ist Mustahabb, das Ischa-Gebet im Winter, wenn der Sonnenuntergang zwischen 16 und 17 Uhr liegt, bis (fast) zum ersten Drittel der Nacht hinauszuschieben (vorzugsweise 2,5 bis 3 Stunden nach Maghrib) und in den restlichen Jahreszeiten sollte man es zur ersten Zeit beten, da das Hinausschieben eine Erschwernis für die Betenden darstellen würde. Es ist Makruh das Gebet ohne gültige Entschuldigung bis über die Hälfte der (islamischen) Nacht aufzuschieben.

 

Die Haraj-Zeit

Wie oben erwähnt tritt die Ischa-Zeit im Sommer entweder sehr spät ein oder beginnt zeitweise (bei uns in Hannover) überhaupt nicht. Wem es also möglich ist, zur richtigen Zeit zu beten, der sollte dies in jedem Fall tun, auch wenn er dadurch nicht am Jama’ah-Gebet (Gemeinschaftsgebet) teilnehmen kann. Die eigentliche Gebetszeit für das Ischa-Gebet ist im Jahreskalender zu finden. Da dies allerdings eine Erschwernis für die Allgemeinheit bedeutet, wurde für das Ischa-Gebet eine Haraj-Zeit festgelegt, um der Gemeinschaft die Last, die aufgrund der späten Gebetszeit entsteht, abzunehmen und um die Jama’ah in der Moschee aufrechtzuerhalten.

Über die Methode zur Ermittlung der Haraj-Zeit, sollte erwähnt werden, dass diese auf den Rechtsurteilen der älteren europäischen Rechtsgelehrten beruht, welche in diesem Bereich jahrzehntelange Erfahrungen und über die Zeit tiefe Einblicke in die Thematik gewinnen konnten. Die Ischa-Zeit wird hierbei angepasst, sobald die reguläre Zeit (etwas) später als 22:30 Uhr eintritt. Über diesen Zeitpunkt hinaus werden zusätzlich die verschiedene Meinungen, weitere Kriterien sowie Randmeinungen der Gelehrten berücksichtigt, um sicherzugehen, dass man sich so nah wie möglich an dem eigentlichen Schar’ie-Gebot bewegt. Die Hauptgrundlage für diese Herangehensweise ist der Hadieth in dem der Gesandte Allahs sallallahu ‘alaihi wa sallam (sinngemäß) sagte: “Würde ich meiner Ummah nicht eine Erschwernis damit auferlegen, so hätte ich ihnen die Siwaak-Zahnreinigung zu jedem Gebet befohlen und das Nachtgebet bis zum ersten Drittel der Nacht verlegt.“ Das Kriterium ab wann eine Erschwernis zum Tragen kommt wurde hieraus entnommen. Die Haraj-Zeit ist in unserem Jahreskalender nicht fett formatiert und man findet diese in einer Extra-Spalte. Diese sollte auch verwendet werden, wenn die Ischa-Zeit überhaupt nicht eintritt. (Anmerkung: Haraj bedeutet in der arabischen Sprache: Schwierigkeit, Bedrängnis oder Unbehagen.)

 

Schafaq al-Abyadh

Subh Kaadhib

Schafaq al-Ahmar

Subh Saadiq

 

Haftungsausschluss

Jeder Einzelne ist selbst verantwortlich den Kontakt mit den Gelehrten zu pflegen und zu erfragen, ob seine Handlungsweise gemäß den islamischen Regelungen bzw. gemäß seiner Rechtsschule korrekt ist oder nicht. Die hier aufgeführte Methodik ist das abschließende Ergebnis jahrelanger Recherche, welches auf folgenden Grundlagen basiert: (1) Ausführliche Korrespondenz zu der Thematik mit verschiedenen Rechtsgelehrten (Muftiyaan-e-Kiram) und Astronomen sowie Anwendung der zugehörigen Rechtsurteile (2) Eingehende Betrachtung von Fatawa (Rechtsgutachten) sowie zahlreichen Berichten über die Beobachtungen der Dämmerung durch Astronomen/Gelehrte (3) Berücksichtigung der Schwierigkeiten für die Allgemeinheit, die bei der praktischen Umsetzung entstehen können. Wenn jemand also nach diesen Gebetszeiten betet und fastet und die dazugehörigen Anweisungen berücksichtigt, kann er sicher gehen, dass er eine gültige Methodik befolgt. Wallahu ta’ala A’lam.

Aller Hamd gebührt nur Allah und nur durch Ihn kommt das Gute zur Vollendung. Möge Allah ta’ala unsere Ulama, denen wir hier unseren Dank aussprechen, für ihre Bemühungen reichlich belohnen. Amien.